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27. September 2012

Rattles Meilenstein aus Wien: Wiederveröffentlichung des Beethoven-Zyklus

Schon bevor Simon Rattle sein Einstandskonzert als Chef der Berliner Philharmoniker gab, sorgte er mit einem anderen Weltklasseorchester für Schlagzeilen: Es war der Zyklus der neun Beethoven-Sinfonien, den er mit den Wiener Philharmonikern in Tokio, Berlin und - natürlich - Wien dirigierte.

Rattle setzte damals im Mai 2002 Maßstäbe mit dem traditionsreichsten Orchesterrepertoire überhaupt. Der Live-Mitschnitt erschien im März 2003. Nach wie vor gilt dieser Zyklus, der jetzt wiederveröffentlicht wird, als Referenzeinspielung des neuen Jahrtausends.

Bereits nach den Konzerten jubelte die Wiener Presse: Der Kurier etwa feierte die Sinfonien 1 und 3 als „viel versprechende erste Etappe“ mit „überwältigender Präzision“, der Pastorale bescheinigte die Kronenzeitung „Leuchtkraft, schwebende Leichtigkeit, idyllische Schönheit“. Die Fünfte war – so die Presse – schlicht „ein Ereignis“, die 9. gar ein „idyllisches Drama, das neben dem drastischen Aufbäumen denn auch viele Seelenregungen auslotet“ (Standard). Obwohl die Wiener Philharmoniker historisch eng mit der Interpretation der Beethoven-Sinfonien verbunden sind, haben sie in ihrer 150-jährigen Geschichte vor Rattle nur vier Sinfonien-Zyklen gegeben: 1918 unter Weingartner, 1948 unter Furtwängler, 1956 unter Schuricht und 1987/88 unter Abbado. Zum ersten Mal spielen die Wiener Philharmoniker übrigens nach der im Jahre 2000 vollendeten neuen wissenschaftlichen Notenausgabe von Bärenreiter. Rattles Aufnahme ist somit auch unter dem Aspekt der Werktreue ein Meilenstein.