26. August 2011

Zwischen Tradition und Moderne: Simon Rattles neues Schönberg-Album

Die Musik Arnold Schönbergs spielt in Simon Rattles Arbeit als Dirigent schon lange eine besondere Rolle. Nach wie vor ist seine Einspielung der frühen, gewaltig besetzten Gurrelieder mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahre 2002 ein diskografisches Highlight. Die Schönberg-Aufnahme, die im Herbst 2009 live in der Berliner Philharmonie entstand, zeigt den Komponisten nun im Ringen um die Musiksprache der Moderne — in der Reibungsfläche zwischen Tradition und Neuer Musik.
Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielszene von 1929 ist ein experimentelles Stück, in dem sich erstmals Filmmusik und Expressionismus begegnen. Die Kammersinfonie Nr. 1 stammt aus einer noch früheren Schaffenszeit: Im Jahre 1906 mahnte Schönberg damit auf neuer, moderner Ebene eine Rückkehr zu klassischen Idealen an, deren Techniken er analytisch aus den Werken seines großen Vorbilds Johannes Brahms herausdestillierte — eines Komponisten, mit dem sich Rattle im Rahmen einer Gesamtaufnahme der vier Sinfonien eingehend befasste. Die 1935 entstandene berühmte Orchester-fassung von Brahms’ Klavierquartett g-moll, inspiriert vom Wunsch, der Musik des verehrten Meisters ganz und gar auf den Grund zu gehen, zeigt sich dabei als großes kompositorisches Experiment, mit dem Schönberg fast so etwas wie eine »fünfte Brahms-Sinfonie« schuf.