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15. November 2010
Es weihnachtet ... Rattle entdeckt Tschaikowskys Nussknacker-Ballett

Simon Rattle ist ein Klangmagier, der mehr als 250 Werke großartiger Orchestermusik in maßgeblichen Interpretationen eingespielt hat - von Szymanowski bis Bartók, von Berlioz bis Strawinsky, von Haydn und Beethoven bis Mahler. Doch ein Komponist fehlt nach wie vor: Peter Tschaikowsky — einer der größten romantischen Sinfoniker überhaupt. Jetzt schließt Rattle diese Lücke mit Tschaikowskys weihnachtlichem Ballett Der Nußknacker in einer spektakulären Gesamtaufnahme und krönt damit auch seine 30-jährige Verbundenheit mit dem EMI Classics-Label.
Das abendfüllende Werk geht weit über die beliebte Nussknacker-Suite hinaus, einem der größten Hits der klassischen Musik. Die vollständige Version zeigt sich als dramatisches Großwerk, in dem Tschaikowsky sämtliche Qualitäten als hochemotionaler Sinfoniker, aber auch als Klangvisionär und musikalischer Geschichten-Erzähler vereint.
»Ich liebe die russische Musik, aber ich war nie ein besonders großer Tschaikowsky-Fan«, gibt Rattle unumwunden zu. »Natürlich kenne ich den ‚Nussknacker’ schon seit meiner Kindheit, aber ich kam erst ziemlich spät dazu, über die Suite hinaus das gesamte Werk kennenzulernen. Und ich war mehr und mehr fasziniert davon — von der schier revolutionären Orchestrierung, bei der Tschaikowsky sogar ein neues Instrument eingeführt hat — die Celesta im ‚Tanz der Zuckerfee’. Eine andere erstaunliche Sache ist Tschaikowskys enge Zusammenarbeit mit dem großen Choreographen Marius Petipa, der strenge dramatische Anforderungen an den Komponisten stellte.«
Tschaikowsky, der den Auftrag zu dem Ballett 1891 vom St. Petersburger Theater erhielt, befand sich zum Zeitpunkt der Entstehung auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere. Er empfand Petipas Vorgaben als extrem einengend, doch dann zeigte sich, dass dem Komponisten, der bereits fünf einer sechs Sinfonien vorgelegt hatte, durch die Zusammenarbeit etwas völlig Neues gelang: eine dramatische Verzahnung seiner Sinfonik mit dem Inhalt einer phantastischen romantischen Geschichte. Während der Fertigstellung der Komposition bereiste Tschaikowsky Paris, wo er die Celesta, eine Art »Glockenklavier«, entdeckte und zum ersten Mal in der Musikgeschichte in eine Orchesterpartitur einarbeitete. Eine andere Klangentdeckung Tschaikowskys ist die Wirkung eines Vokalisen singenden Kinderchores — hier interpretiert vom populären englischen Knabenchor Libera.
Der Nussknacker basiert auf dem Stoff eines der populärsten Erzähler der deutschen Romantik: auf E. T. A. Hoffmanns Novelle Nussknacker und Mausekönig, die dank einer Bearbeitung des Franzosen Alexandre Dumas auch in Russland sehr beliebt war. - Die Handlung der Geschichte spielt am Weihnachtsabend: Alles schläft im noblen Hause des Präsidenten Silberhaus, aber die kleine Tochter Klara wird um Mitternacht von eigenartigen Geräuschen aus dem Salon geweckt. Dort sind die Spielzeuge zum Leben erwacht: Der Nussknacker kämpft mit einer Armee Soldaten gegen den Mausekönig und seine Truppen. Klara besiegt den Mausekönig, indem sie mit dem Pantoffel nach ihm wirft. Der Nussknacker verwandelt sich in einen Prinzen, und zum Abschluss gibt es ein großes Fest, an dem die zum Leben erwachten Süßigkeiten teilnehmen
Tschaikowskys vollständiger Nussknacker bietet abseits der kindlichen Spielzeugromantik bisher viel zu wenig entdeckte orchestrale Höhepunkte aus Tschaikowskys uvre. Simon Rattles immense Erfahrung am Pult der Berliner und Wiener Philharmoniker und als langjähriger Leiter des City of Birmingham Symphony Orchestra geht in diese Gesamtaufnahme ein und lässt eines der faszinierendsten Klassik-Werke überhaupt in nie dagewesener Farbigkeit strahlen.
