07. April 2010
Belcanto-Wonnen aus Barcelona: Villazón als Donizettis Nemorino

Große Tenöre haben große Hits im Repertoire. Startenöre ohnehin. Einen der größten Triumphe feierte der Tenor Rolando Villazón mit einer Arie aus Donizettis teils komischer, teils melancholischer Oper Der Liebestrank (L'Elisir d'amore): Die Arie »Una furtiva lagrima« musste Villazón, angespornt von einem erdbebenartigen Jubel, in der Wiener Staatsoper wiederholen. Der DVD-Mitschnitt dieser Produktion mit Rolando Villazón und Anna Netrebko von 2006 ist mittlerweile ein Bestseller. Jetzt erscheint ein Liebestrank aus Barcelona — im Jahre 2005 entstanden und ein weiteres Beispiel für Villazóns triumphale Erfolge in seiner Paraderolle als Donizettis Nemorino.
Hier, im Gran Teatre del Liceu, steht Villazón an der Seite der Spanierin Maria Bayo als Adina und zeigt sich in Bestform. Die Rolle des naiven jungen Bauern Nemorino, der sich von einem herumziehenden Quacksalber einen »Liebestrank« andrehen lässt, um die Zuneigung der Pächterin Adina zu gewinnen, verlangt nicht nur immenses sängerisches, sondern auch darstellerisches Talent. Beides verbindet Villazón darüber hinaus mit einer faszinierenden Bühnenpräsenz und großem Sinn für Komik. Gleichzeitig fügt sich der Tenor großartig in das exquisite Ensemble ein — mit Maria Bayo als Adina von subtilem Witz wie großer Herzenswärme, dem verschlagenen Quacksalber Dulcamara von Bruno Praticó sowie dem Sergeanten Belcore von Jean-Luc Chaignaud voller Macho-Allüren wie bezwingendem Charme. Der Dirigent Daniele Callegari verleiht Donizettis hinreißender Partitur Witz, Rasanz und Spannung und lässt auch die melancholischen Untertöne nicht zu kurz kommen.
