05. Februar 2013

Zeitreise ins alte Venedig: Die Krönungsmesse für den Dogen von 1595

Die Faszination der authentischen Aufführungspraxis liegt nicht nur in der Interpretation alter Werke nach den Regeln der Zeit, in denen sie entstanden - auch authentische Funde aus den Archiven sorgen immer wieder für wahre musikalische Zeitreisen.
Die Serie Rediscoveries, die Pioniertaten auf dem Gebiet der Alten Musik gleich reihenweise präsentiert, startet das Jahr 2013 mit einer ganz besonderen Entdeckung: Die 1990 erstmals eingespielte Venezianische Krönungsmesse von 1595, mit der der Doge Marino Grimaldi sein hohes Amt antrat. Der Dirigent Paul McCreesh sorgte damit für einen ersten Höhepunkt seiner Diskografie.

Es sind vor allem die berühmten frühbarocken Komponisten Andrea und Giovanni Gabrieli, die zusammen mit einigen kaum noch bekannten, aber entdeckenswerten Zeitgenossen dem ausgeklügelten Ritual der Dogenkrönung eine ungemein prachtvolle Musik unterlegt haben. Die berühmte venezianische Mehrchörigkeit – eine besonders raumnutzende Kompositionsmethode mit mehreren Ensembles auf verschiedenen im Kirchenraum verteilten Emporen – machte im Laufe der Barockzeit Furore und sollte noch Bach und Händel inspirieren.

Das Ensemble der Capella Marciana, die im Markusdom musizierte, spielte und sang diese Festmesse von gleich sieben Punkten aus. Neben der akribischen Rekonstruktion dieses festlichen Geschehens aus dem Jahre 1595 ist es die hohe musikalische Qualität von Paul McCreesh und seinem Gabrieli Consort & Players auf den Spuren ihres Namenspatrons, die diese Aufnahme wiederentdeckenswert machen.