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19. Januar 2011
Schumanns schönes Scheitern: Piotr Anderszewskis ganz besonderes Recital

War Robert Schuman ein Versager? »Er erreichte nicht die Perfektion eines Chopin, Brahms oder Mendelssohn«, sagt der Pianist Piotr Anderszewski und spricht damit einen Wesenszug des Romantikers an, den viele ausblenden: Schumann, durch und durch Romantiker, thematisierte seine vergebliche Suche nach Perfektion in seiner Musik — und genau deshalb besitzen seine Werke etwas hintergründig Philosophisches.
Jetzt hat der polnische Starpianist diese Eigenschaft des im Wahnsinn geendeten Klavierromantikers in ein faszinierendes Recital verwandelt — bestehend aus drei eher selten gespielten Schumann-Kompositionen. Emotionale Tiefe unter einer scheinbar harmlosen Oberfläche. Ringen um kompositorische Form, verborgen hinter scheinbar harmlosen Titeln. Das ist das Konzept dieser CD mit der eigentlich gar nicht so humoristischen Humoreske op. 20, den Studien für Pedalflügel op. 56 und den Gesängen der Frühe op. 133 - ein Dreischritt an Werken, deren Entstehungszeit vom frühen Schumann bis in die Krisenjahre kurz vor seinem Selbstmordversuch reicht. Anderszewski, der zuletzt mit einem Live-Recital aus der New Yorker Carnegie-Hall, mit Beethoven-Einspielungen und Mozart-Konzerten Triumphe erntete, gelingt hier ein außergewöhnlicher Beitrag zum ausklingenden Schumann-Jahr. Der Pianist: »Schumann scheiterte als Pianist, als Dirigent, er scheiterte mit manchen Kompositionen, und er scheiterte, als er sich umbringen wollte. Und doch liegt so viel Schönheit in dem, was er erreichte.«
