04. Dezember 2008

Es ist die Seele, die da singt: Natalie Dessay mit drei Bach-Kantaten

Die Sopranistin Natalie Dessay überzeugt in allen Stilarten, sei es im italienischen Belcanto, in französischer Oper der Romantik oder virtuoser Barockmusik von Händel. Jetzt widmet sich Natalie Dessay einer anderen Seite vokaler Barockmusik: der Bach-Kantate.
Die Sopranistin Natalie Dessay überzeugt in allen Stilarten: Erst im vergangenen Jahr hat sie ein Album mit virtuosen Belcanto-Arien vorgelegt, das ihre überragende Opernmeisterschaft dokumentiert. Eine Einheit von schauspielerischer und musikalischer Darstellung, von Charakter und Musik: Das ist es, was Kritiker auf der ganzen Welt an ihr bewundern. Und das gilt auch für ihre Barockaufnahmen: Zusammen mit der Dirigentin Emmanuelle Haïm und deren Ensemble Le Concert d'Astreé sorgte Natalie Dessay für eine wahre »Händel-Mania« — vor allem mit dem Album Delirio. Jetzt widmet sich Natalie Dessay der anderen Seite vokaler Barockmusik: der Bach-Kantate. Sind die solistischen Partien in den Kantaten von Johann Sebastian Bach eigentlich »Rollen«, »Charaktere« im Sinne der Oper? Mit Sicherheit! Bach hatte als Thomaskantor und vorher als Kapellmeister an einem kleinen Fürstenhof keine Gelegenheit, Opern zu schreiben. Doch er suchte auch in anderen Werken wie in den Kantaten und Passionen jede Gelegenheit für dramatisch-musikalische Inszenierung des Geschehens. In den drei Solokantaten, die Natalie Dessay hier vorlegt, ist die Solostimme die Seele, deren Nöte musikalisch zum Ausdruck kommen — zwischen Verzweiflung und Trost in der Stunde des Todes (»Ich habe genug«) oder freudigem Jubel über die Gewissheit des Allmächtigen (»Jauchzet Gott in allen Landen«) in virtuosem Wettstreit mit einer Solotrompete. Eine große Herausforderung für eine Künstlerin wie Natalie Dessay — und ein diskografischer Meilenstein der so wandlungsfähigen französischen Sopranistin!