21. September 2012

Vivaldis Schwanengesang: L‘ORACOLO mit Fabio Biondi in Welt-Ersteinspielung

Es ist ein wahrer Barock-Krimi: Antonio Vivaldi, einst umjubelter Sohn seiner Heimatstadt Venedig, fiel einer Intrige zum Opfer und versuchte sein Opern-Glück in Wien. Vergeblich bemühte er sich dort um die Aufführung seiner letzten Oper L' Oracolo.

Fabio Biondi, der wohl profilierteste Vivaldi-Spezialist unserer Zeit, hat das Werk beim 20. Wiener Festival Resonanzen 2012 mit größtem Erfolg präsentiert. Jetzt erscheint Vivaldis Wiener Fassung als Welt-Ersteinspielung auf CD.

Kaum einer habe in jüngster Zeit Vivaldi so umfassend und brillant rehabilitiert wie der Geiger und Dirigent Fabio Biondi mit seinem Barockensemble Europa Galante, resümiert die Presse die Verdienste des großen italienischen Alte-Musik-Spezialisten. Vor zwei Jahren hatte er bereits mit der Gesamtaufnahme von Vivaldis Oper Ercole für einen diskografischen Vivaldi-Höhepunkt gesorgt. Biondis Entdeckung und Rekonstruktion der Oper L' Oracolo ist ein weiterer Meilenstein, der Vivaldis Bedeutung als Opernkomponist unterstreicht. Schon auf dem Festival lobte die Presse Biondis Rekonstruktionskünste in der nicht ganz vollendeten Partitur sowie das mit Standing Ovations gefeierte Sängerensemble, das Vivaldis (oder die von wem auch immer stammenden) Noten mit hinreißend feurigem Leben erfüllt habe. Eigentlich sollte L' Oracolo dem Komponisten, den Intrigen aus Venedig vertrieben hatten, in Wien neue Karrierechancen eröffnen. Der Tod des Kaisers kurz nach Vivaldis Ankunft 1740 machte diesen Plan aber zunichte. Der einst umjubelte „Superstar des Barock“ starb im Jahr darauf verarmt an der Donau.