15. September 2008

Evgeny Kissins erster vollständiger Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte

Mit dem Zyklus der Beethoven-Klavierkonzerte setzt EMI Classics die Serie eindrucksvoller Aufnahmen bedeutender Klavierkonzerte mit Evgeny Kissin fort. Bei dieser Aufnahme steht Evgeny Kissin einer der größten Beethoven-Experten unserer Zeit zur Seite: Sir Colin Davis dirigiert das London Symphony Orchestra.
Beethovens Klavierkonzerte in ihrer Gesamtheit einspielen zu können, ist eine bedeutsame Erfahrung für jeden Pianisten. Generationen von Solisten wurden sie zum Prüfstein der künstlerischen Reife; sie sind das Bindeglied zwischen den klassischen Konzerten von Haydn und Mozart und dem ersten Aufblühen der Romantik. Oft hat Evgeny Kissin diese Werke auf dem Konzertpodium gespielt — und einige von ihnen auch bereits aufgenommen —, aber für die Gesamteinspielung nahm er sich Zeit, bis er das ideale musikalische Umfeld gefunden hatte, um mit seiner Interpretation eine eindrucksvolle und sehr persönliche Aussage treffen zu können. Produzent Jay Saks, der seit Kissins Debüt in der Carnegie Hall 1990 sehr eng mit ihm zusammenarbeitet, schilderte seinen Eindruck: »Die Aufnahme mit Genya [Kissin] und Sir Colin war eine wunderbare Erfahrung. [Es war] so vollendet musiziert, so musikalisch und so vollständig im Geiste Beethovens. Schnörkellos und unprätentiös war es von einer Schönheit und Einfachheit, technisch brillant, musikalisch bis ins kleinste Detail durchdacht und von einer großen Tiefe des Ausdrucks. Als Produzent musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass ich aus beruflichen Gründen im Aufnahmestudio sitze, sein Spiel ist so überwältigend, dass man alles um sich herum vergisst. Diese Beethoven-Interpretation ist atemberaubend. Ein Kritiker schrieb in musicweb.com nach einer Aufführung des dritten Klavierkonzerts von Beethoven in der Barbican Hall kurz vor der Aufnahmesitzung: »Kissin überzeugte auf ganzer Linie und entlockte dem Flügel ein reiches Klangfarbenspektrum. Die Artikulation ist gestochen scharf (…) Das Orchester unter Sir Colin war in hervorragender Form und Kissins pianistische Kunst ist ein Wunder an Dynamik und Ausdruck.« classicalsource.com nannte sein Spiel »hinreißend und von einer starken Präsenz (…) mit wahrhaft athletischer Vitalität“, und musicalcriticism.com beschrieb Kissin als »phänomenalen Pianisten.« Evgeny Kissin wurde 1971 in Moskau geboren und begann im Alter von zwei Jahren nach dem Gehör auf dem Klavier zu spielen und zu improvisieren. Als er sechs Jahre alt war, bekam er Unterricht an der Gnessin-Musikschule bei Anna Pavlovna Kantor, die seine einzige Lehrerin blieb. 1984 machte er zum ersten Mal die internationale Öffentlichkeit auf sich aufmerksam, als er Chopins Klavierkonzerte im Großen Konzertsaal des Moskauer Konservatoriums mit der Staatsphilharmonie Moskau unter Dmitri Kitaenko zur Aufführung brachte. Zum ersten Mal trat Evgeny Kissin 1985 außerhalb der Grenzen Russlands in Osteuropa auf und begab sich ein Jahr später auf seine erste Konzerttournee durch Japan. 1987 trat er im Rahmen der Berliner Festspiele erstmals in Westeuropa auf. 1988 unternahm er mit den Moskauer Virtuosi und Wladimir Spiwakow eine Konzertreise durch Europa. Im selben Jahr debütierte er mit dem London Symphony Orchestra unter Valery Gergiev in London und wirkte mit den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan im Dezember 1988 bei einem weltweit ausgestrahlten Neujahrskonzert mit. 1990 trat Evgeny Kissin das erste Mal bei den BBC Promenade Concerts in London auf und gab im selben Jahr sein Debüt in den USA mit den beiden Klavierkonzerten von Chopin, begleitet vom New York Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta. Im Anschluss daran spielte er zur Eröffnung der Hundertjahrfeier der Carnegie Hall und gab dort ein spektakuläres Debüt. Mit seinen ausdrucksstarken Interpretationen und seiner stupenden Virtuosität gehört er zu den führenden Pianisten der jüngeren Generation. Weltweit gibt er Konzerte und ist mit allen großen Orchestern und namhaften Dirigenten aufgetreten wie Abbado, Ashkenazy, Barenboim, Dohnanyi, Giulini, Levine, Maazel, Muti, Ozawa, Svetlanov und Temirkanov. Regelmäßig gibt er Recitals in den USA, in Japan und Europa. Zu seinen zahlreichen internationalen Preisen und Ehrungen zählen der Crystal Prize der Osaka Symphony Hall 1986 und die Auszeichnung als Künstler des Jahres 1991 der Accademia Musicale Chigiana in Siena. In seinem Heimatland wurde er 1997 wegen seines herausragenden Beitrags zur russischen Kultur mit dem angesehenen Triumph-Preis ausgezeichnet, eine der höchsten Ehrungen der Russischen Republik; 2003 erhielt er den Schostakowitsch-Preis. In den USA war er Ehrengast bei der Grammy Awards Ceremony, die ein Fernsehpublikum von über einer Milliarde Menschen live verfolgte, und 1995 wurde er von Musical America zum Instrumentalisten des Jahres gewählt. 2001 wurde Kissin von der Manhattan School of Music zum Ehrendoktor der Musik ernannt. Als erster Pianist gab er 1997 bei den BBC Promenade Concerts einen Klavierabend und 2000 war er der erste Konzertsolist, der beim Eröffnungskonzert der Proms mitwirkte. Im Jahr 2005 wurde er zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London ernannt. Auch seine Aufnahmen sind vielfach ausgezeichnet worden: Unter anderem erhielt er einen Grammy, den holländischen Edison Klassiek, den französischen Diapason d’Or, den Echo Klassik und den Grand Prix der Nouvelle Académie du Disque. Im März 2007 nahm EMI Classics Evgeny Kissin unter Vertrag. Seine Einspielung des Klavierkonzerts von Mozart KV 491 und des Klavierkonzerts von Schumann mit dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis wurde von der Presse hoch gelobt: »Ohne Frage die führende Aufnahme seiner Generation«, schrieb Billboard, und das Gramophone Magazine nannte Evgeny Kissin »Pianist der höchsten Elite«. Für die Zukunft sind Aufnahmen des zweiten und dritten Klavierkonzerts von Prokofjew mit dem Philharmonia Orchestra unter Vladimir Ashkenazy geplant, die Mozart-Konzerte Nr. 20 und 27 wird er mit der Kremerata Baltica zusammen einspielen.