Klassik-Podcasts

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Episode 38
Via Crucis

Kreuzweg zur Oper
Wenn man an den Opernbetrieb von heute denkt, fällt es einem schwer sich vorzustellen, dass die ersten Opern einmal aus Osterbräuchen hervorgegangen sind. Christina Pluhars neue CD ist eine Wiedererfindung des "geistlichen Spiels", der "rappresentazione sacra", wie sie sich seit dem Mittelalter entwickelt hat. Im Zentrum steht die Passionsgeschichte, sie wird gerahmt von einer Vision Marias und einem Lobpreis der Auferstehung. Wie auch auf ihrer Erfolgs-CD Teatro d'Amore hat die Spezialistin für Alte Musik Christina Pluhar, die auf der Aufnahme selbst Harfe spielt, zahlreiche fabelhafte Gastkünstler eingeladen, die sich mit ihr auf dieses Abenteuer einlassen. Genregrenzen lässt sie dabei hinter sich: Der beliebte EMI-Classics-Künstler Philippe Jaroussky und Nuria Rial sind mit von der Partie, aber auch das Gesangsquartett Barbara Fortuna aus Korsika, das dem gebürsteten Schönklang von L'arpeggiata eine wunderbar kontrastierende rauhe Note gegenüberstellt.
Episode 37
Das Paradepferd im Ballsaal

Nachdem Alison Balsom mit ihrer Haydn-CD einen Mount-Everest für Trompeter erklommen hat, lädt sie zu einer kleinen Party: Mit Musik aus einer Zeit, in der die besten Komponisten noch für jeden Gottesdienst ein kleines Meisterwerk schrieben und in der es in venezianischen Palazzi noch Bälle unter leuchtenden Lüstern gab. Nur eines der Werke auf dieser CD wurde ursprünglich für die Trompete geschrieben — Alison Balsom hat Geigen- und Oboenkonzerte des 17.- und 18. Jahrhunderts von Albinoni, Cimarosa, Marcello und Vivaldi für ihr Instrument eingerichtet. Auch wenn sich die Trompetentechnik seither stark verändert hat, mit einer Trompete Oboen- und Violinkonzerte zu spielen — das ist ungefähr so, als wolle man auf einem Skateboard die Vierschanzentournee gewinnen. Oder — um in der Welt der italienischen Konzerte zu bleiben — auf einem Paradepferd im Ballsaal eine gute Figur zu machen. Doch bei solchen Herausforderungen fängt Alison Balsom erst an, sich dafür zu interessieren und gibt den bekannten Werken ein ganz neues Gesicht. Enjoy!
Episode 36
Das Geschlecht der Engel

Philippe Jaroussky singt Arien von Johann Christian Bach
Er muss so etwas wie ein Engel sein. Anders lässt sich kaum erklären, wie er die Töne scheinbar aus dem Nichts wachsen lassen kann. Seine Stimme klingt rein, schön, wie nicht von dieser Welt – und muss es doch sein, sonst könnte sie uns nicht anrühren mit ihrem Reichtum an Nuancen, ihren feinen Abstufungen zwischen silbrig und seiden. Auf seinem neuen Album stellt der Counter-Tenor Philippe Jaroussky ausschließlich Arien des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian vor. Begleitet wird er dabei von Fachleuten für die Musik des 18. Jahrhunderts: Le Cercle de l’Harmonie und dem Dirigenten Jérémie Rhorer. Spätestens nach dieser CD weiß man, was Mozart am „Londoner Bach“ so schätzte. Vor allem aber hat man eine Ahnung vom unendlichen Genuss, den die Gesangskünste von Kastraten dem Publikum voriger Jahrhunderte bereitet haben mit ihren Stimmen ohne Erdenschwere. Welches Geschlecht haben Engel? Man weiß es nicht. Doch so muss es klingen, wenn sie singen.
Episode 35
Momente voll Ewigkeit

David Fray ist den Hörern des EMI Classics Podcast längst bekannt. Sein „Bach ohne Bierbauch“ war so überzeugend, dass ihm dafür der ECHO Klassik verliehen wurde. Frays neue CD versammelt neben den sechs Moments Musicaux D 780 das Allegretto c-moll D 915 und die erste Vierergruppe von Schuberts Impromptus D 899. Was haben sie sich zu sagen? Der Wiener Melancholiker und der junge, schöne Shootingstar? David Fray spricht durch das Klavier mit Schubert. Und Schubert antwortet. In zahlreichen Momentaufnahmen. In Werken, die gelegentlich wie improvisiert wirken. Musik, die ganz dem Augenblick entspringt. Momente, die ewig währen könnten.
Episode 34
Große Oper im Kirchgewand

Kirchenmusik und große Oper: Rolando Villazón und Antonio Pappano mit Verdis Requiem
Mit einem internationalen Staraufgebot, das momentan seinesgleichen sucht, hat Antonio Pappano, einer der weltweit profiliertesten Operndirigenten, Giuseppe Verdis groß angelegtes Requiem neu aufgenommen. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht spektakulär geraten. Superstar Rolando Villazón führt ein mit Anja Harteros, Sonia Ganassi und dem Starbass René Pape glänzend besetztes Sängerensemble an. Es spielen und singen Orchestra e Coro dell’Accademia di Santa Cecilia, die Aufnahmen fanden in der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in der ewigen Stadt Rom statt. Und nur so, mit besten Opernstimmen, einem mit musikdramatischen Werken vertrauten Orchester sowie einem Spitzenchor, kann man Verdis Meisterwerk gerecht werden. Denn, das betonen Kenner immer wieder, Verdis Requiem schlägt eine nahezu einmalige Brücke zwischen solemner Kirchenmusik und dem Drama der großen Oper. Ein Spagat, mit dem Verdi »die explosive Beziehung der Italiener zur Religion zum Ausdruck brachte« (Antonio Pappano), und der nur mit viel Erfahrung und großer Geschmackssicherheit von Seiten aller Beteiligten zu bewältigen ist. Weil Maestro Pappano und seinem Ensemble genau das eindrucksvoll gelungen ist, dürfte die jetzt neu erschienene Gesamteinspielung von Giuseppe Verdis Requiem wohl schon bald zu den Referenzaufnahmen dieses Werkes gezählt werden.
Episode 33
Der revolutionäre Klassizist

Simon Rattle dirigiert sämtliche Brahms-Symphonien
Wenn Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker Brahms interpretieren, dann horcht die gesamte Klassikwelt auf. So selten Brahms in der Diskographie dieser Traumkombination der Orchestermusik auftaucht, so exquisit geraten jedesmal die Aufnahmen, bestes Beispiel ist das 2006 vorgelegte Deutsche Requiem, das unter anderem einen Grammy und einen Grammophone Award gewonnen hat. Jetzt haben Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker sämtliche Brahms-Symphonien aufgenommen - womit das Orchester an eine reiche Tradition anknüpft, denn die Symphonien von Johannes Brahms, die damals nur wenige jahre alt waren, wurden von den Berlinern bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens regelmäßig gespielt, auch noch unter Brahms selbst. Aus nur drei oder vier Tönen ganze Symphonien entwickeln: Das vermochte vor Johannes Brahms niemand, und auch kaum ein Komponist seitdem, wie Simon Rattle stets betont. Dennoch war Brahms, trotz seiner originellen Ideen, mehr Klassizist, als Revolutionär: ein Titan, der im Zeitalter der Romantik mit aller Macht an der klassischen Symphonie festgehalten hat. Man darf Außergewöhnliches von dieser Aufnahme erwarten, denn Simon Rattle verbindet Furtwänglers Dimensionen mit Karajans schönem Ton wie unlängst DIE ZEIT geschrieben hat.
Episode 32
Spuk im Kinderzimmer

Spuk im Kinderzimmer: Rattle dirigiert Ravel
Als »Grammy-Dream-Team« bezeichnete sie neulich der Kritiker des Berliner-Tagesspiegels — das Dreiergespann aus Berliner Philharmonikern, Berliner Rundfunkchor und Sir Simon Rattle. Hatten Orchester, Chor und Dirigent schon 2008 für ihre Aufnahme des »Deutschen Requiems« von Brahms den begehrten Award erhalten, so gelang es ihnen nun zum zweiten Mal in Folge mit der Aufnahme von Strawinskys »Psalmensinfonie«. Ob die Einspielung von Ravels charmanter Oper »L'Enfant et les sortilèges« nun wieder preisgekrönt sein wird? Das Zeug dazu hätte sie auf jeden Fall. Die raffinierte, sinnliche Klangpracht der französischen Musik des 20. Jahrhunderts ist eine der Stärken, die das deutsche Traditionsorchester unter seinem britischen Chefdirigenten besonders kultiviert hat — und das merkt man der Einspielung dieses selten gespielten Werks an. Der Spuk im Kinderzimmer, um den es geht, profitiert hier zudem von einer traumhaften Vokalbesetzung — unter anderem mit Magdalena Kožená und José van Dam — so dass die nächtlichen Machenschaften von Teetassen, Standuhren, Schulheften und Fauteuils plastisch vor Ohren und Augen stehen.
Episode 31
Existentielle Angelegenheit

Existentielle Angelegenheit – Gautier Capuçon spielt Dvoøák und Herbert
Dass sie ohne Musik nicht leben können, sagen viele Musiker. Doch wenn man Gautier Capucon über dieses Thema reden hört, scheint die Sache wirklich existentiell zu werden. Er sei ein offener Mensch, der gerne und viel redet und lacht, sagt der französische Cellist und wirft die kinnlangen Haare zurück, aber über seine Gefühle zu sprechen, das falle ihm schwer. „Mit nur ganz wenigen Menschen kann ich darüber überhaupt sprechen, und deshalb brauche ich die Musik, um überhaupt, meine Gefühle ausdrücken zu können“. Und zwar auf der Bühne – gemeinsam mit anderen Musikern. „Das ist eine sehr intensive Erfahrung, von der ich fast abhängig bin wie von einer Droge“. Die Intensität seines Verhältnisses teilt sich auch in seiner neuen CD mit Cellokonzerten von Antonín Dvorak und Victor Herbert. Letzterer ist heute nahezu unbekannt, doch sein Cellokonzert, das Capucon hier zusammen mit dem Sinfonieorchester des hessischen Rundfunks unter Paavo Järvi einspielt, war die Inspiration für Dvoøáks Repertoire-Dauerbrenner.
Episode 30
Barocke Jam-Session

Barocke Jam-Session: Christina Pluhar und L'Arpeggiata spielen Monteverdi
Dass Barock und Jazz gut zusammenpassen, weiß man zwar seit den Bach-Improvisationen Jacques Loussiers. Doch Christina Pluhar und ihr Ensemble L'Arpeggiata verleihen diesem Spagat zwischen den Epochen noch einmal eine völlig neue Dimension. „Teatro d'Amore“ heißt die CD, auf der sie sich der Musik Claudio Monteverdis widmet. Sagten wir „widmet“? Nein, das ist ein entschieden zu braves Wort für den sinnlichen, aufbrausenden, schillernden und einfühlsamen Zugang, den die gebürtige Österreicherin zu den Madrigalen, Opern und Instrumentalstücken des „göttlichen Claudio“, wie ihn seine Zeitgenossen nannten, findet. Mit ihrem Ensemble L'Arpeggiata kombiniert die Multiinstrumentalistin – sie spielt sowohl Harfe, als auch Laute und Barockgitarre – die an historischer Aufführungspraxis geschulte, intime Kenntnis frühbarocker Musik mit der Lust am Experiment. Immer wieder schweifen die Musiker von altbekannten Pfaden lustvoll Richtung Jazz ab - und das tun sie so unprätentios, selbstverständlich und selbstbewusst, dass man vermeintliche Gegensätze beider Stile schnell vergisst.
Episode 29
Staatsmann und Pianist

Staatsmann und Pianist: Helmut Schmidt spielt Mozart
Musik war ihm oft ein Trost in stürmischen Zeiten. Und 1981 hatte Bundeskanzler Helmut Schmidt ihn dringend nötig. Massendemonstrationen gegen die von ihm unterstützte Aufrüstung, massiver Widerstand in der eigenen Partei gegen den NATO-Doppelbeschluss, wirtschaftspolitische Differenzen, die die sozialliberale Koalition schon bald ins Wanken bringen sollten — die Probleme des Politikers Schmidt waren groß genug. Hinzu kam noch seine Gesundheit. Im September musste er sich in einer Hamburger Klinik einen Herzschrittmacher einsetzen lassen. In dieser Situation war es für den langjährigen Musikenthusiasten und Hobbypianisten Schmidt alles andere als eine lästige Pflicht, nach London zu fliegen und zusammen mit seinen Freunden, den jungen Pianisten Justus Frantz und Christoph Eschenbach in den legendären Abbey Road Studios ein Konzert von Wolfgang Amadeus Mozart aufzunehmen. Zum 90. Geburtstag des großen deutschen Staatsmannes am 23.12 .bringt EMI Classics die Aufnahme nun neu heraus.
Episode 28
Bach ohne Bierbauch

Bach ohne Bierbauch: Der französische Klavier-Shootingstar David Fray
Es gibt Dinge, die kann man offenbar am besten auf deutsch ausdrücken, auch wenn man Amerikaner oder Franzose ist. „Weltschmerz“, „Sturm und Drang“ und „Schadenfreude“ sind drei bekannte Beispiele für deutsche Vokabeln, für die es auch in anderen Sprachen kein besseres Wort gibt. Im Film „Swing, Sing & Think“, der den jungen französischen Pianisten David Fray bei den Probenarbeiten mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zeigt, lernt man noch eine weitere hinzu. „It is too much Bierbauch“, sagt Fray, als ihm das Orchester einmal etwas zu behäbig spielt. Und sofort ist klar, worauf er hinauswill. Für solch plastische, farbige Hinweise kann jedes Orchester dankbar sein – und vom enthusiastisch erklärenden, gestikulierenden Fray gibt es davon reichlich. Hier sollen Pizzicati klingen „wie Regentropfen“, dort soll man knisternde „Elektrizität“ hören, soll die Musik die Geborgenheit eines „Kokons“ ausdrücken, dann wieder die Wahnvorstellungen eines „Psychopathen“. Es ist ein großes Vergnügen, Fray so seine Vorstellungen der Bach-Klavierkonzerte entwickeln zu sehen. Und ein umso größeres, sie zu hören. David Fray und die Deutsche Kammerphilharmonie liefern einen leichtfüßigen, tänzerischen, aber auch tiefen und durchaus romantischen Bach – auf CD und DVD.
Episode 27
Lamenti

„Weinen ist mein einziges Vergnügen“ - Klagegesänge aus dem Barock
Als Claudio Monteverdis Oper „Arianna“ 1608 uraufgeführt wurde, wurde im Publikum so manches Taschentuch benutzt. Vor allem die adligen Damen, so erinnern sich Berichterstatter waren im wahrsten Sinne des Wortes zu Tränen gerührt. Kein Wunder: Mit dem „Lamento d'Arianna“, dem einzigen bis heute erhaltenen Stück aus dieser Oper, ist Monteverdi eines der ergreifendsten Beispiele für ein „Lamento“ gelungen, einem „Klagegesang“, der sich zu seiner Zeit bei vielen Komponisten großer Beliebtheit erfreute. „Weinen ist mein einziges Vergnügen/ich nähre mich nur von Tränen/der Schmerz ist meine Wonne/und meine Freuden sind Seufzer“, heißt es in einem weiteren Beispiel der Gattung der Komponisten Barbara Strozzi, das schon zeigt, mit welch starken Gefühlen man es auf dieser CD zu tun bekommt. Und um starke Gefühle ging es den Musikern der damaligen Zeit, dem Übergang von der Renaissance zum Barock. Die alten, starren Regeln der Musik wurden über Bord geworfen – man wollte menschliche Emotionen mit Musik ausdrücken. Für heutige Hörer mag das wie eine Plattitüde klingen – doch zu Monteverdis Zeit war das eine musikalische Revolution. Und wenn man sich Sänger wie Rolando Villazon oder Natalie Dessay mit den hier versammelten Lamenti anhört, kann man das Revolutionäre dieser Musik immer noch hören.
Episode 26
Quatuor Ébène

Angsthasen und Draufgänger: Streichquartette von Fauré, Debussy und Ravel Eine „Heidenangst“ habe er davor, soll Gabriel Fauré gesagt haben – und gemeint war damit nicht etwa ein Besuch beim Zahnarzt. Sondern das Streichquartett. Seit den Gipfelwerken Mozarts und Beethovens gilt diese Gattung der Kammermusik als besonders schwierig und anspruchsvoll, eine Domäne deutsche Tonsetzer mit ihrer Neigung zu Ernst und Gründlichkeit. Bis kurz vor seinem Tod 1924 brauchte deshalb Fauré, eine Ikone des französischen Musiklebens, um sein Streichquartett zu vollenden. Die jüngere Garde französischer Komponisten neigte da weniger zum Zaudern. Claude Debussy etwa schrieb sein Streichquartett in g-Moll direkt zu Beginn seiner Karriere, und auch Faurés Schüler Maurice Ravel ließ nicht lange auf sich warten: Gerade mal Ende zwanzig war er, als er sein F-Dur-Quartett komponierte – ein Werk das sich direkt an Debussys Quartett anlehnt. Im Quatuor Ébène finden diese drei unterschiedlichen Werke französischer Kammermusik nun die idealen Interpreten – ob grüblerisch und verträumt wie bei Fauré oder sinnlich und leidenschaftlich wie bei Debussy und Ravel: das junge französische Ensemble zeigt mit seinem Debut einmal mehr, dass es auf dem besten Weg ist, sich in der Riege der Streichquartette an die internationale Spitze zu spielen.
Episode 25
Hector Berlioz

Liebesbrief in fünf Sätzen: Die »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz Sie hatte braune Locke, braune Augen, war 28 Jahre alt — und der Anlass für eines der wichtigsten Orchesterwerke des 19. Jahrhunderts: 1828 gastierte die irische Schauspielerin Harriet Smithson im Odéon in Paris, als Ophelia in Shakespeares Hamlet. Der vier Jahre jüngere Hector Berlioz verliebte sich sofort in sie, schrieb Liebesbrief um Liebesbrief, doch es half nichts: Harriet verließ Paris, ohne wirklich Notiz von dem jungen, in Liebe entbrannten Musiker genommen zu haben. Sein Liebesleid inspirierte den Hitzkopf Berlioz zu seiner »Symphonie fantastique«. »Episoden aus dem Leben eines Künstlers« lautet der Untertitel des Werks, das die Musik der Romantik revolutionierte. Denn Berlioz Musik erzählt eine Geschichte, und zwar so explizit, detailliert und in so rauschhaft funkelnden Orchesterfarben wie es bisher noch kein Komponist vor ihm getan hatte — von einer Ballnacht, bei der die Angebetete den jungen Künstler nicht beachtet, über einen einsamen Spaziergang auf dem Lande, der der gequälten Seele alles andere als Ruhe bringt, über einen gescheiterten Selbstmordversuch mit Opium bis hin zu den schrecklichen Alptraumvisionen, in der die Geliebte als Teil eines garstigen Hexensabbats zur Fratze verzerrt wird. Berlioz »Symphonie fantastique« ist ein einziger, verzweifelt flehender Liebesbrief in fünf Sätzen. Und letztlich mit Happy End. Als Harriet Smithson 1832 erneut in Paris gastierte, hörte sie das Werk. Zwei Jahre später stand sie mit Berlioz vor dem Traualtar.
Episode 24
American Classics

»Alles ist möglich« - Die Serie »American Classics« zeigt die Vielfalt der Klassik in den USA Musik aus den Amerika? Bei diesem Stichwort denken die meisten sicherlich erstmal an Jazz, Blues, Rock'n'Roll oder auch HipHop. Dass es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch eine Klassik-Tradition gibt, wird leicht vergessen. Kein Wunder, denn natürlich ist sie vergleichsweise jung. Im Jahr 1776, als das Land seine Unabhängigkeit erklärte, waren Bach und Händel schon mehr als ein Vierteljahrhundert tot und der junge Mozart hat bereits mehrere Opern und über 30 Sinfonien geschrieben.. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts aber, als auch der weltpolitische Aufstieg der USA kaum mehr aufzuhalten ist, holt die amerikanische Klassik nach. Und findet dabei eine ganz eigene Art, in der Musikgeschichte ihre Spuren zu hinterlassen. Virgil Thomson oder Aaron Copland setzen der Weite der amerikanischen Landschaft, ob im Mississippi-Delta oder dem mächtigen Appalachen-Gebirge, beeindruckende Tondenkmäler. Und mit einer unbekümmerten »Alles ist möglich«-Haltung überspringen sie dabei stilistische Grenzen wie John Wayne mit seinem Gaul einen Weidezaun am Rio Bravo. Ob Cowboy-Songs, Quäker-Gesänge, Blues oder Jazz, kubanische und mexikanische Rhythmen — Komponisten wie Bernstein, Gershwin oder John Adams entdecken musikalisches Neuland mit einer Neugier wie die ersten Siedler auf dem Weg nach Westen Die Serie »American Classics« bringt nun das Beste aus der Klassik der USA auf 10 CDs.
Episode 23
Christoph Hartmann

»Bella Napoli« - Christoph Hartmann spielt Oboenmusik aus Neapel »Neapel sehen und sterben« - dieses geflügelte Wort, das schon Goethe zitierte, ist natürlich nicht als Handlungsanweisung gedacht. Sondern als Ausdruck der ungeheuren Begeisterung, die Italienreisende seit jeher überwältigte, wenn sie an diesen magischen Ort am Mittelmeer kamen. Auch die Musik spielte dabei eine große Rolle. Und das ist kein Wunder, wenn man bedenkt, dass der Golf von Neapel einstmals die sagenumwobenen Sirenen beherbergte, die mit ihrem Gesang Seefahrer so betörten, dass sie mit ihren Schiffen, einer nach dem anderen, an den Felsen der Küste zerschellten. Vor allem mit der Oper machten sich Komponisten aus und in Neapel einen Namen, aber auch bedeutende Werke der Instrumentalmusik entstanden hier. Der Oboist Christoph Hartmann hat auf seiner CD »Bella Napoli« nun Musik von sechs Komponisten zusammengestellt, die alle mit Neapel in Verbindung standen - ob sie nun dort geboren wurden wie Domenico Scarlatti oder zum Studium herkamen wie Johann Adolf Hasse, dessen Oboenkonzert auf CD erstmals eingespielt wurde, oder Vincenzo Bellini, den Schöpfer bedeutender romantischer Opern wie »Norma«, den man hier als versierten Instrumentalkomponisten entdecken kann.
Episode 22
Renaud Capucon

Liebe auf den ersten Blick? Nein, mehr als das. Als Renaud Capucon vor gut einem Jahr die ersten Töne auf seiner Guarneri del Gesú von 1721 spielte, war das für ihn „schlicht und einfach ein Beweis dafür, dass diese Violine die exakte Entsprechung bietet zu der musikalischen Welt, die ich in mir habe“. Eine Schweizer Bank hatte sich nicht lumpen lassen und das wertvolle Instrument für den jungen Musiker erstanden, das bis vor wenigen Jahren noch im Besitz des eines anderen großen Geigers war – der 2001 verstorbene Isaac Stern hat mehr als 50 Jahre lang auf ihm gespielt. „Es ein bisschen merkwürdig zu wissen, dass Stern so lange auf diesem Instrument gespielt hat“, gesteht Renaud Capucon, „Aber mir macht das keine Angst. Ich fühle mich eher ermutigt und bestärkt dadurch. Diese Violine ist für mich ein neuer Anfang“. Seine neue CD „Capriccio“ mit Stücken von Elgar, Schubert, Strauss, Kreisler, Korngold und anderen ist nun eine Verneigung – einmal vor dem großen Vorbild Isaac Stern, der viele der Stücke, die Capucon nun spielt, auch bereits aufgenommen hat. Zum anderen vor dem Klang der Guarneri selbst. „Ich wollte eine Platte machen, die den Klang dieser Violine, ihre unglaublichen Qualitäten zeigt“, erklärt Capucon. „Ich habe meine Erinnerung nach den Stücken durchsucht, die ich kenne und liebe, seit ich fünf oder sechs bin. Und die ich nun gerne mit dem Klang meiner Violine hören wollte“.
Episode 21
Max Emanuel Cencic

Die Hosen an: Der Mezzosopran Max Emanuel Cencic Wenn man über einen Mann sagt, er habe die Hosen an, dann klingt das erstmal etwas merkwürdig. Schließlich wird die Formulierung meist bei besonders durchsetzungsstarken Frauen benutzt. Doch bei Max Emanuel Cencic und seiner Aufnahme verschiedener Arien von Gioacchino Rossini hat sie durchaus ihren Sinn. „Hosenrollen“, so nennt man in der Oper männliche Alt- oder Sopranrollen, die im 20. Jahrhundert aber immer von Frauen gesungen wurden. Dabei war das zu ihrer Entstehungszeit noch ganz anders. Gerade heroische Partien in seinen Opere serie schrieb Rossini in der Regel für männliche Soprane – Kastraten, die lange Zeit die gefeierten Stars der Opernbühne waren. Max Emmanuel Cencic musste sich natürlich nicht mehr der schmerzhaften Prozedur mit dem Skalpell unterziehen, um seine Sopranstimme bis ins Erwachsenenalter zu bewahren. Er, der bereits mit sechs Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand – im kroatischen Fernsehen sang der damals die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“ - lernte durch gezieltes Training der Muskeln in Hals und Kehlkopf eine Technik, die es ihm erlaubte den Stimmbruch zu umgehen. Mit 16 Jahren begann er seine Karriere als männlicher Sopran. Mit dem Orchestre de Chambre de Genève legt er nun eine beeindruckende Einspielung mit Rossini-Arien vor.
Episode 20
Nigel Kennedy

Mozart für’s 21. Jahrhundert: Taufrisch, vital und revolutionär Ob Vivaldi oder Jimi Hendrix, Brahms oder polnische Folklore — es gibt kaum ein Gebiet der Musik, auf dem sich Nigel Kennedy im Laufe seiner über 30 Jahre dauernden Karriere noch nicht umgetan hätte. Nur einen Komponisten hat er bisher in zahlreichen Interviews immer kategorisch aus seinem breiten Repertoire ausgeschlossen: Wolfgang Amadeus Mozart.. Allerdings war es alles andere als wohlfeile Provokation, dass Kennedy, das »enfant terrible« der Klassik-Szene, sich ausgerechnet dem am meisten geliebten Komponisten bisher verweigerte. Lange habe er zu Mozart einfach keine Beziehung aufbauen können, erzählt Kennedy »Ich habe sogar meinen Sohn mit drittem Vornamen Amadeus genannt, in der Hoffnung, dass ich vielleicht dadurch irgendwann fähig sein könnte, Mozart zu lieben.« Nun hat genau das endlich geklappt. Mit dem Polnischen Kammerorchester, mit dem Kennedy seit einigen Jahren intensiv zusammenarbeitet, hat er Mozarts viertes Violinkonzert eingespielt. Warum er dabei eine Jazz-Kadenz spielt und auf einen Dirigenten komplett verzichtet — das und mehr erzählt Nigel Kennedy selbst im Klassik-Podcast.
Episode 19
Philippe Jaroussky

Vollkommener Gesang – der Kastrat Giovanni Carestini Er war launisch, sah ungeheuer gut aus und seine Gagenforderungen stiegen mit jedem Engagement. Klingt nach der Beschreibung eines Hollywoodtars? Keine ganz abwegige Vermutung. Denn ein Sänger wie Giovanni Carestini ist sicherlich die beste Entsprechung, die das 18. Jahrhundert für die Leinwand-Ikonen unserer Tage zu bieten hat. Intendanten, Kaiser, Könige und Komponisten rissen sich geradezu um ihn, denn, wie der Opernkomponist Johann Adolf Hasse bemerkte: „Wer Carestini nicht gehört hat, der weiß nicht, was absolut vollkommener Gesang ist“. Diese Vollkommenheit hatte ihren Preis: Noch bevor er in die Pubertät kam, wurde Carestini kastriert – eine heute barbarisch erscheinende Methode, die zur Barockzeit jedoch an der Tagesordnung war. Kastraten wie Carestini oder sein erbitterter Konkurrent Farinelli verbanden engelsgleiche, hohe Knabenstimmen in Sopran- oder Altlage mit der Kraft des ausgewachsenen Mannes. Komponisten wie Händel schrieben ihre strahlendsten Heldenpartien für sie, und einige von ihnen, darunter Carestini, der an Höfen und Opernhäusern ganz Europas umjubelte Auftritte feierte, brachten es zu Ruhm und Wohlstand. Auf der mit einem üppig bebilderten Booklet ausgestatteten CD „Carestini – The Story Of A Castrato“ erzählt der französische Countertenor Philippe Jaroussky die Geschichte Carestinis in zwölf ausgewählten Arien nach.
Episode 18
Gabriela Montero

Jenseits der Noten — die Improvisationen der Pianistin Gabriela Montero Was macht ein Pianist, wenn er kurz vor dem Konzert feststellt, dass er seine Noten nicht dabei hat? Erstmal hyperventilieren natürlich. Und dann? Den Assistenten zusammenstauchen? Sich in der Garderobe einschließen? Gabriela Montero könnte ein solcher Zwischenfall nicht aus der Ruhe bringen. Sie würde einfach auf die Bühne gehen — und improvisieren. »Das war immer die Form der Musik, die mir am nächsten war«, erzählt die Pianistin aus Venezuela. Schon als kleines Kind »habe ich in Konzerten 30, 40 Minuten oder länger improvisiert. Die Leute mussten mir sagen, dass ich endlich aufhören soll«, erinnert sie sich lachend, »denn das kam alles einfach so aus mir raus.« Auch heute noch improvisiert Gabriela Montero, auf CDs und bei ihren bejubelten Live-Auftritten — und erweckt damit eine Kunst wieder zum Leben, die für Jazz-Musiker alltäglich ist, im Klassik-Betrieb aber als längst ausgestorben galt. Auf ihrer neuen CD »Baroque« mit Improvisationen über berühmte Themen von Händel, Vivaldi, Bach und anderen gibt Gabriela Montero erneut eine Kostprobe ihres erstaunlichen Könnens, das übrigens auch ihre große Kollegin Marta Argerich beeindruckte. Auf einer weiteren CD mit Werken von Rachmaninov und Prokofieff zeigt sie als Kammermusikpartnerin des Cellisten Gautier Capuçon, dass sie auch jenseits der Improvisation eine Pianistin allerhöchsten Ranges ist.
Episode 17
Die Schöpfung

Von Donner und Blitz, Löwen und Würmern: Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ Fangen wir mit dem Anfang an – das sagt sich so leicht. Vor allem, wenn man wie Joseph Haydn vor der Aufgabe steht, mit dem Anfang von Allem, von Himmel und Erde, anfangen zu müssen. In seinem Oratorium „Die Schöpfung“ wirft er den Hörer in jenes Chaos hinein, das zu Beginn der Schöpfung unseren Planeten beherrschte („Und die Erde war ohne Form und leer“), nur um es dann plötzlich mit aller Pracht und Wucht „Licht!“ werden zu lassen. Ist das überhaupt Musik? Viele Hörer werden sich das anfangs gefragt haben, als Haydns Oratorium 1799 in Wien zum ersten mal aufgeführt wurde. Aber trotz - oder gerade wegen? - dieser ebenso sperrigen wie visionären Einleitung des Werks wurde die „Schöpfung“ umgehend ein riesiger Erfolg. Vor allem die plastische Tonmalerei begeisterte schon das Publikum der Uraufführung, wie ein Text des Schriftstellers Joseph Richter zeigt, der sich für seine Rezension in die Rolle des staunenden einfachen Mannes versetzte: „Da hat bloß d’Musik den Donner und den Blitz ausdruckt, und da hat der Herr Vetter den Regnguß und’s Wasserrauschen ghört, und da haben d’Vögel wirkli g'sungen, und der Löw' hat brüllt, und da hat man so gar hör'n können, wie d’Würmer auf der Erden fortkriechen“. Wenn nun ein Spitzen-Ensemble der historischen Aufführungspraxis wie Les Arts Florissants sich Haydns „Schöpfung“ annimmt, dann hat auch Richters Fazit heute noch Gültigkeit: „Kurz, Herr Vetter, ich bin noch nie so vergnügt aus an Theater fortgangen, und hab auch die ganze Nacht von der Erschaffung der Welt geträumt.“
Episode 16:
Diana Damrau vereint Mozart und Salieri
Giftmord? Rufmord ist wohl das bessere Stichwort, wenn es um Antonio Salieri geht. Dass an den Gerüchten, der italienische Komponist habe seinen Konkurrenten Mozart aus Neid um die Ecke gebracht, nichts dran ist, wusste man schon länger. Nun wird auch seine Musik wieder entdeckt, und es stellt sich heraus: Zu Minderwertigkeitsgefühlen bestand bei Salieri wahrlich kein Anlass. Beethoven, Schubert, Cherubini, Liszt...schon die Liste seiner Schüler liest sich wie ein Auszug aus dem „Who Is Who“ der Klassik. Trotzdem gilt Antonio Salieri (1750-1825) bis heute vielen als ein mittelmäßig begabter Komponist. Und als ausgemacht unsympathischer Zeitgenosse. Diesen Ruf hat er Wolfgang Amadeus Mozart und vor allem dessen Verehrern im 19. Jahrundert zu verdanken, die es mit der historischen Wahrheit alles andere als genau nahmen. Wie sonst hätten ein paar spärliche Verdachtsmomente in Briefen der Familie Mozart über angebliche Intrigen Salieris sich auswachsen können zu jener berühmten Theorie über den Giftmord, den Salieri aus Neid auf seinen genialen Konkurrenten verübt habe soll? Auch der mit acht Oscars ausgezeichnete „Amadeus“-Film geht mit diesem Märchen noch hausieren – und macht aus ihm einen Filmbösewicht, der mit dem wirklichen Salieri rein gar nichts gemein hat. Zum Glück ändert sich das Schicksal Salieris in den letzten Jahren. Immer mehr Musiker entdecken seine Werke neu – und man reibt sich die Augen darüber, was einem da Jahre lang entgangen ist. Die an internationalen Häusern wie der Metropolitan Opera in New York gefeierte Koloratursopranistin Diana Damrau erfüllt sich nun mit ihrer CD „Arie di bravura“ einen langgehegten Wunsch und kombiniert Arien der beiden angeblichen Konkurrenten Salieri und Mozart mit Musik ihres zeitgenossen Vincenzo Righini.
Episode 15:
Ein Engländer in Krakau — Nigel Kennedy und der »Polish Spirit«
Musikalische Ausgrabungen müssen nicht immer in verstaubten Bibliotheken stattfinden. Manchmal reicht es, einfach die Straße entlangzugehen, wie bei Nigel Kenney. Nach seinem ersten Auftritt in Warschau, so erinnert sich der Stargeiger, »kam ein Typ auf mich zu, der vorher im Publikum gesessen hatte. Er gab mir eine alte Schallplatte in die Hand. Die stand bei mir dann erstmal ein paar Jahre im Regal, bis ich sie hörte und dachte: ,Mann, das ist tolle Musik!'«. Auf der Platte war das zweite Violinkonzert von Emile Mlynarski, das Kennedy nun mit dem Polnischen Kammerorchester, als dessen künstlerischer Leiter er seit einigen Jahren fungiert, aufgenommen hat. War Emile Mlynarski zu Lebzeiten als gefeierter Geiger und Dirigent eine der Schlüsselfiguren des polnischen Musiklebens, so gerieten seine eigenen der Spätromantik verpflichteten Werke bald in Vergessenheit. Kennedy und das Polnische Kammerorchester kombinieren sein Konzert nun mit dem seines frühverstorbenen Landsmanns Mieczylaw Karlowicz und zwei Walzern von Frederyk Chopin. Im Klassik-Podcast erzählt Kennedy über seine Entdeckung, die Zusammenarbeit mit dem polnischen Kammerorchester — und davon, wie wichtig es für einen Stadtmenschen wie ihn ist, manchmal auf einen Berg zu steigen.
Episode 14:
Nach Hause kommen: Andsnes spielt Grieg
»Grieg zu spielen ist für mich wie nach Hause zu kommen«, sagt Leif Ove Andsnes. »Und das hat nicht nur damit zu tun, dass ich Norweger bin. Seine Musik hat einfach diese Qualität.« Andsnes muss es wissen. Der 37jährige Pianist hat sich im Lauf seiner Karriere immer wieder mit seinem Landsmann beschäftigt. Schon als 20jähriger machte Andsnes seine erste Aufnahme des berühmten Klavierkonzerts a-Moll mit dem Philharmonischen Orchester von Griegs Geburtsstadt Bergen. Inzwischen hat er das Werk, mit dem der 25jährige Komponist seinem Heimatland 1868 einen Platz auf der musikalischen Landkarte sicherte, ein zweites Mal eingespielt. Und zieht mit diesem und anderen zentralen Werken nun im 100. Todesjahr des Komponisten eine klingende Zwischenbilanz. Erstmals hat er sich dafür auch an Griegs Ballade für Klavier herangewagt — ein »düsteres Stück«, aber auch eines »voller Tiefe, Emotion und Schönheit«, wie er im KlassikPodcast erzählt. Den Abschluss der »Ballad for Edvard Grieg« - so der Titel der CD — bildet eine Auswahl von Griegs »Lyrischen Stücken«. Für seine Aufnahme hat sich Andsnes einen ganz besonderen Ort ausgesucht: Das Wohnzimmer in Griegs Villa Troldhaugen in der Nähe von Bergen.
Episode 13:
Witze ohne Bart — Joseph Haydns Sinfonien
Wenn jemand den gleichen Witz bei jeder Party erzählt, macht er sich damit meist nicht sonderlich beliebt. Pointen, wenn man sie einmal gehört hat, leiern halt aus. Oder? In der Musik scheinen da andere Regeln zu gelten — zumindest bei Joseph Haydn, dem Großmeister des musikalischen Humors. Seine Sinfonien sprühen nur so von witzigen Einfällen, vor Pointen, die mit musikalischen Konventionen und den Erwartungen des Publikums spielen. Und sie haben den Vorteil, dass man sie — anders als den von der Frau, die zum Arzt kommt und dann sagt der Arzt etc. - immer wieder erzählen kann, ohne dass es langweilig wird. In seiner 90. Sinfonie zum Beispiel schafft Haydn es gleich zweimal hintereinander, das Publikum zu foppen. »Es gibt nicht viele Witze, deren Pointe auch nach 200 Jahren noch zündet«, kommentiert Simon Rattle den musikalischen Scherz, der auch bei dieser brillanten Live-Aufnahme aus der Berliner Philharmonie wieder bestens funktioniert. Kein Wunder: Die Berliner nehmen sich der Sinfonien Nr. 88 bis 92 auf dieser Doppel-CD mit Drive, Tempo, Witz und überbordender Spiellaune an.
Episode 12:
Primadonna assoluta der Klarinette
Frauen gehören in die Küche und nicht ins Orchester" - so rechtfertigte Herbert von Karajan gern die vorsintflutliche Personalpolitik der Berliner Philharmoniker: Frauen waren bis 1997 grundsätzlich nicht erwünscht. Einmal allerdings wich der Maestro von dieser Regel ab. Als 1982 die gerade 23jährige Sabine Meyer beim Probespiel um die Stelle des Soloklarinettisten an alle anderen Bewerbern locker vorbeizog, konnte Karajan nicht anders, als sie in seinen Herrenclub aufzunehmen - sehr zum Ärger der übrigen Herren, versteht sich. Was folgte (und damals sogar den Berliner Senat mitsamt regierendem Bürgermeister Richard von Weizsäcker beschäftigte) ist ein klassischer Fall von Mobbing, allerdings mit dem denkbar besten Ausgang. 1984 nahm Sabine Meyer entnervt ihren Hut - und begann eine beispiellose Karriere. Ob als Solistin auf großem Podium oder als einfühlsame Kammermusikpartnerin - Sabine Meyer ist und bleibt die "primadonna assoluta der Klarinette". Im Klassik-Podcast stellen wir ihre zwei neuen CDs vor - eine mit Konzerten von Franz Krommer und Louis Spohr und die von der Kritik bereits in höchsten Tönen gelobte Einspielung französischer Kammermusik von Saint-Saëns bis Darius Milhaud.
Episode 11:
The Opera Project

Die Oper – ein Missverständnis mit Folgen Alles fing an mit einem Missverständnis. Als sich Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz Philosophen, Schriftsteller und Musiker regelmäßig zu Gesprächen trafen, da redeten sie über das antike griechische Drama und schmiedeten Pläne, diese Kunstform wiederzubeleben. Bei den alten Griechen, so wussten sie, waren an Theateraufführungen nicht nur Schauspieler, sondern auch Musiker, Tänzer, Sänger und Chöre beteiligt. Was bei den Plänen der „Florentiner Camerata“ herauskam, hat zwar nach heutigem Wissen mit dem antiken Drama nicht so viel zu tun – dafür aber wurde eine der größten europäischen Kunstformen der Neuzeit geschaffen: die Oper. Um ein Missverständnis mit Folgen also geht es in der elften Episode des Klassik-Podcast. Mit dabei sind Komponisten von Monteverdi bis Puccini und die Stars der derzeitigen Opernszene – von Rolando Villazon über Natalie Dessay bis hin zum Countertenor Philippe Jaroussky.
Episode 10:
Maria Callas

Maria Anna Sophia Cecilia Kalogeropoulou - auf diesen Namen wurde sie 1923 in New York getauft. Auf Opernplakaten und Plattencovern wäre das nur mit Mühe unterzubringen gewesen, und so war es für die Karriere seiner Tochter kein ganz unbedeutender Schritt als ihr Vater, der griechische Einwanderer George Kalogeropoulos den Namen seiner Familie in Callas ändern ließ, auch wenn es ihm dabei eigentlich um einen einprägsamen Namen für seine gerade in Manhattan eröffnete Apotheke ging. Zu "La Callas" wurde seine Tochter dann in den 50er Jahren, der Glanzzeit ihrer Karriere an der Mailänder Scala. Bereits 1965 zog sich Maria Callas, müde, ausgebrannt und unzufrieden mit ihren eigenen, immer noch bewunderten Leistungen, von der Opernbühne zurück. Die zehnte Episode des Klassik-Podcast erzählt die Geschichte von "La divina", der "Göttlichen", wie sie genannt wurde - mit Auszügen aus Original-Interviews aus den 60er Jahren und - natürlich - viel Musik.
Episode 9:
Händel: Il Trionfo

Ein Sachse in Italien: Händels Oratorium „Il trionfo del tempo e del disinganno“ Auslandserfahrung, sagen Experten, ist wichtig für die Karriere - das war schon zu Georg Friedrich Händels Zeiten nicht anders. Natürlich machte er kein Austausch-Semester an einer amerikanischen Uni – er ging nach Italien. Vier Jahre blieb er dort und machte sich mit seinen staunenswerten Fähigkeiten als Komponist schnell einen Namen: „Il Sassone“, also „der Sachse“ - so nannten seine Kollegen den in Halle an der Saale geborenen Händel. In Rom entstand „Il trionfo del tempo e del disinganno“ - eine Geschichte um Schönheit und Vergänglichkeit. Offiziell ein Oratorium, doch diese Bezeichnung ist eine kleine Schummelei. Händel und sein Librettist, der Kardinal Benedetto Pamphili, ermöglichten so, dass das eigentlich eher opernhafte Werk in Rom überhaupt aufgeführt werden durfte. Denn in der ewigen Stadt waren Opernaufführungen vom Papst höchstselbst verboten worden...
Episode 8:
Deutsches Requiem - Brahms

Trauer und Trost: Brahms *Deutsches Requiem* mit den Berliner Philharmonikern Ein alter Mann mit weißen Haaren und einem langen weißen Bart - das ist das Bild, das die meisten bei Johannes Brahms sofort vor Augen haben. Doch bei seinem *Deutschen Requiem* trifft dieses Bild nicht zu: Brahms begann die Komposition mit gerade mal 23 Jahren - als Reaktion auf den Tod seines Freundes Robert Schumann. Und auch als *Ein deutsches Requiem* 1869 zum ersten Mal aufgeführt wurde, war Brahms gerade erst 32 Jahre alt. *Trotzdem ist das Werk mit so großer Sicherheit komponiert, dass man fast nicht glauben kann, dass es von einem jungen Mann stammt*, schwärmt Sir Simon Rattle, der das Werk nun mit den Berliner Philharmonikern neu aufgenommen hat. Die Interpretation, bei der den Philharmonikern der Berliner Rundfunkchor, die Sopranistin Dorothea Röschmann und der mit Sir Simon seit langem eng befreundete Bariton Thomas Quasthoff zur Seite stehen, zeigt vor allem eins: Das *Deutsche Requiem* ist eine Trauermusik - aber eine, in der es weniger um die Toten geht, als um die Hinterbliebenen, die lernen müssen, mit ihrer Trauer und ihrem Verlust umzugehen. Brahms schreibt hier keine Kirchenmusik im engeren Sinne - sondern ein Werk, in dem es um allgemeine menschliche Gefühle geht. Auch deshalb hat er gesagt, er hätte das *Deutsche Requiem* eigentlich lieber *Ein Menschliches Requiem* genannt.
Episode 7:
Alison Balsom

Sanft, sinnlich, melancholisch - die weibliche Seite der Trompete. Manche Sachen können Frauen einfach nicht - behaupten zumindest die Männer. Rückwärts einparken zum Beispiel. Steaks grillen. Trompete spielen. Wie bitte? Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Trompete gilt immer noch als absolutes Männerinstrument - ein Klischee, mit dem die junge britische Künstlerin Alison Balsom nun aufräumt. Schon mit acht Jahren bekam sie ihren ersten Unterricht auf der Trompete, heute ist sie mit 28 Jahren bereits einer der Shooting Stars der Klassikszene. Auf ihrer neuen CD "Caprice" spannt sie nun einen weiten Bogen von Bach über Mozart und Rachmaninoff bis zu Debussy und Piazolla - und beweist damit die Vielseitigkeit eines Instruments, dass für viele immer noch auf festlichen Barock-Klang oder schneidige Marschmusik festgelegt ist. "Ich möchte, dass die Menschen endlich ein anderes Bild von dem Instrument bekommen. Sie sollen verstehen, dass sie nicht nur laut spielen kann", sagt Alison Balsom. Und selbstbewusst fügt sie hinzu: "Ich zeige Seiten der Trompete, von denen niemand wusste, dass es sie gibt."
Episode 6:
Rolando Villázon

Der "Gitano" aus Mexiko: Rolando Villázon singt spanische Lieder.
Episode 5:
Philippe Jaroussky

Auf den Spuren der Kastraten: Philippe Jaroussky und Vivaldis Heroes.
Episode 4:
Rolando Villázon

Belcanto und Barock: Rolando Villázon singt Donizetti und Monteverdi
Episode 3:
Venezuelan Brass Ensemble

Jazzig, festlich, virtuos: We got rhythm mit Venezuelan Brass.
Episode 2:
Das Parfum

Der Duft des Mordes: der Soundtrack zum Kinoereignis "Das Parfum", gespielt von den Berliner Philharmonikern und Simon Rattle.
Episode 1:
Die Planeten

Das Mega-Klangereignis aus der Berliner Philharmonie