19. September 2012

Keine Nebenrolle: Alexandre Tharauds Musik zum Cannes-Film LIEBE

Als die Juroren der Goldenen Palme im Mai dieses Jahres den neuen Film Amour (Liebe) von Michael Haneke (Das weiße Band) sahen, wird eine Nebenfigur den Musikkennern unter den Filmkritikern bekannt vorgekommen sein.

Es ist der berühmte französische Pianist Alexandre Tharaud, der in Hanekes Geschichte um Altern und Tod einen Klavierschüler verkörpert. Der Film gewann den begehrten Preis in Cannes, und die Musik zum Film ist ein neues, großes klassisches Tharaud-Recital.

Liebe, Krankheit und Tod sind Themen des Films Liebe, die sich auch in der Musik widerspiegeln. Dies wiederum ist dramaturgisch in der Geschichte verankert: Sie inszeniert die Liebe einer gealterten Pianistin und ihres Ehemannes, zeigt – wie Zeit online formulierte – einen „atemberaubenden Blick aufs Sterbenmüssen“, zutiefst berührend dargestellt von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva in den Hauptrollen. Alexandre Tharauds Klavierspiel zeichnet diesen Weg auf emotionaler Ebene nach – etwa in melancholischen, zwischen Todesahnung und Hoffnung schwankenden Klavierstücken des früh verstorbenen Franz Schubert, in den tröstend-spirituellen Klängen von Bachs Choralbearbeitung Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ. Nach erfolgreichen Alben mit Musik von Scarlatti und Chopin und einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit Bachs Klavierkonzerten schlägt Tharaud mit dieser Musik zum Film ein neues Kapitel in seiner Diskografie auf – und zeigt eindringlich, dass er als Klavierschüler im Film zwar eine Nebenrolle spielen mag, sein Klavierspiel tut es nicht.