02. September 2011

Große Barockkunst am Flügel: Alexandre Tharaud mit Bachs Klavierkonzerten

Den Stil eines Komponisten vergangener Jahrhunderte überzeugend zu treffen, ist nicht allein eine Frage des historisch korrekten Instruments. Das beweist der französische Pianist Alexandre Tharaud seit Jahren mit geradezu bestürzender Größe mit seinen Bach-, Rameau- und Scarlatti-Interpretationen. Jetzt setzt Tharaud diese Reihe mit einer Aufnahme der großen Bach-Klavierkonzerte fort - begleitet von den Violons du Roy unter Bernard Labadie, dem wohl renommiertesten Barockensemble Kanadas.
Tharaud, der übrigens auch mit Chopin- und Schubert-Interpretationen seinen hohen Rang unter den jüngeren Pianisten bewiesen hat, steht mit dieser Bach-Aufnahme nun erstmals innerhalb seiner Diskografie im Spannungsfeld zwischen modernem Flügel und historischem Instrumentarium. Bachs extrem kontrapunktisch durchgearbeitete Konzerte, die Gratwanderung zwischen klanglicher Balance und intellektueller Tiefe, scheint Tharaud nicht — wie man annehmen könnte — in ausdruckstechnische Grenzen zu zwingen. Im Gegenteil: Die weiten Steigerungsflächen, die immer wieder neu kombinierten Themenblöcke, die reichen melodischen Verästelungen der Mittelsätze bieten den Rahmen für einen wahren Höhepunkt unter seinen bisherigen Einspielungen. Besonderes Highlight: Bachs Konzert für vier Klaviere, in dem Tharaud dank Studiotechnik alle vier Parts übernimmt. Ein Bonus ist eine besondere Version von Bachs Bearbeitung des Adagios aus einem Oboen-konzert von Albinoni.