03. September 2012

Lebendiger Zeitgenosse der Vergangenheit: Sir Adrian Boults Aufnahmen

Sein Name ist untrennbar mit der englischen Klassik-Tradition verbunden: Der Dirigent Sir Adrian Boult, der 1889 geboren wurde und 1983, also fast 100 Jahre später starb. Die Spannweite, die sein Leben umfasste, ist immens: Sie reicht von den Anfängen der Fonografie bis zur Einführung der CD.

Sein Vermächtnis, einer der kostbarsten Schätze des EMI-Archivs, erscheint nun in der Serie Collector's Edition. Boult zeigt sich hier nicht als Interpret seiner englischen Zeitgenossen, sondern als Dirigent der Klassiker von Bach über Mozart, Schubert, Brahms bis Wagner.


Aus Boults Interpretationen spricht noch die alte Schule romantischer Dirigierkunst: Der englische Maestro war ein Schüler Arthur Nikischs, der selbst noch bei Wagner im Orchester gesessen hatte! So sind seine Interpretationen von Wagners orchestralen Opernszenen ebenso authentisch wie die Sinfonien von Brahms oder Schubert. Eine große Liebe empfand Boult – auch darin ein typischer Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts - für die Musik von Johann Sebastian Bach. Seine Deutung der Brandenburgischen Konzerte gehört als Vorgänger des heute üblichen authentischen Musizierens zu einem eigenen Kapitel der Interpretationsgeschichte Alter Musik. Damit legte Boult übrigens auch Grundsteine für englische Musiktraditionen, die heute noch lebendig sind. Er leitete in Chefpositionen nicht nur das BBC Symphony Orchestra oder das London Symphony Orchestra. Am Pult des City of Birmingham Symphony Orchestra wurde er zum Vorgänger eines der größten englischen Dirigenten unserer Zeit: Sir Simon Rattle.